Der Ortsname Dollenchen (niedersorbisch: Dolanje) hat seinen Ursprung im Slawischen und lässt sich auf die geografische Lage des Ortes zurückführen.
Hier sind die Details zur Herkunft und Bedeutung:
1. Die wissenschaftliche Etymologie
Der Name leitet sich vom slawischen Wort „dol“ ab, was „Tal“ oder „Niederung“ bedeutet.
- Bedeutung: Dollenchen bezeichnet ursprünglich die „Bewohner eines Tals“ oder Menschen, die in einer Niederung leben.
- Historische Formen: In frühen Urkunden finden sich Schreibweisen wie Dolenken (1346) oder Dollenichen (1396).
- Verwandtschaft: Der Name ist eng verwandt mit dem niedersorbischen Begriff dolań (Talsasse, Talbewohner). Viele Orte im slawisch geprägten Raum mit den Vorsilben Dol- oder Döll- (wie Döllnitz oder Dahlen) teilen diesen Ursprung.
2. Die Ortssage (Volksetymologie)
Neben der sprachwissenschaftlichen Erklärung gibt es eine charmante lokale Sage, wie das Dorf zu seinem Namen kam:
Ein Ritter aus dem benachbarten Wormlage besaß ein Lieblingshühnchen, das als „nicht ganz richtig im Kopf“ galt – ein „tolles Hühnchen“. Eines Tages verschwand das Tier und wurde nach langer Suche von einem Kutscher in einem Gebüsch (an der Stelle des heutigen Dorfes) wiedergefunden. Zur Belohnung durfte der Kutscher dort ein Haus bauen, woraus später das Dorf „Toll-Hühnchen“ – also Dollenchen – entstand.
3. Historischer Kontext
- Ersterwähnung: Der Ort wurde 1346 (nach anderen Quellen 1360) erstmals urkundlich erwähnt.
- Lage: Die slawische Bezeichnung „Talbewohner“ passt zur historischen Landschaft, die früher sehr sumpfig war und durch zahlreiche Wasserläufe geprägt wurde (worauf heute noch Reste alter Wassermühlen hindeuten).
Seit dem 6. Jahrhundert wurde die Niederlausitz von slawischer Bevölkerung (Lusici) besiedelt. Früheste Zeugnisse der Sprache finden sich in Orts-, Flur- und Gewässernamen. Eine Bedeutung der Namen durch Übersetzung ins Deutsche ist nicht nachweisbar. Für Dollenchen zutreffend zum Beispiel sind:
Der Luschk - Das "beliebte kleine Naherholungsgebiet der Dollenchener und seiner Gäste."
Der Name, der einfach"kleiner See" oder "Sumpfsee" bedeutet. "Luschk"
ist auch eine Bezeichnung für eine sumpfige oder feuchte Stelle.
Der Dalschen, die Gegend in Richtung Henriette.
Das Wort "Dalschen"im Niedersorbischen bezieht sich auf einen Ort, der oft mit
landwirtschaftlichen oder ländlichen Aspekten in Verbindung gebracht
wird.
Der Laugk, die Gegend zwischen Dollenchen, Göllnitz, Saadow, Lug und Lipten.
Laugk – ein Ort oder eine Region im Niedersorbischen und kann als spezifische
geographische Bezeichnung verstanden werden. In der Regel sind solche
Orte im niedersorbischen Kulturraum in der Lausitz zu finden. Ich
erinnere an das Laugk-Feld bei Senftenberg, wohin auch die dortige
Laugkstraße führt. Beide Gegenden waren früher Sumpfgebiete bis zu
deren Trockenlegung.
Nachfolgend aufgeführte Dollenchener Familiennamen haben einen sorbischen Ursprung, deren Träger in Dollenchen leben bzw. früher existierten, ausgesucht aus dem Buch – „Niedersorbische Personennamen aus Kirchenbüchern des 16. bis 18. Jahrhunderts“ von Professor Walter Wenzel. ISBN3-7420-1922-8
Wenzel studierte Slawistik und Anglistik und arbeitete als Lektor für Russisch. 1960 wurde er zum Dr. phil. promoviert. Die Dissertation B (Habilitation) erfolgte 1979 an der Universität Leipzig, an der er 1990 Professor wurde. Sein Hauptforschungsgebiet waren slawische, insbesondere sorbische Orts- und Personennamen, die er auch nach seiner Emeritierung 1994 weiter untersuchte.
Nachfolgend aufgeführt sind einige dieser Namen mit Seitenangabe der Erwähnung im Buch:
Michling 285, Mußlick (Myslik, Myslic, Mußlich) 298, Leske 258, Kutscher 247, Nabuda 299, Kurio 246, Kupsch/Kipsch 245, Radlach 342, Stuckatz 372, Domka 107, Kalz (Kalc, der Leineweber) 401, Janaschk 182, Hendrischka 159, Klauck 208, Klaunigk (ck) 209, Donath 10, Brösa (christl.abgeleit. von hlg. Ambrosius) 84, Paulisch 318, Jakobza/Jakobitza180, Mirisch/Mirsch/Miersch 287, Kochan 215, Jentzsch 188,
(Die Aufzählung der Namen erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.)
Folgende Aussagen bleiben erhalten, jedoch in vereinfachter, formeller Form: Informationen zur Herkunft von o. g. Namen in Dollenchen, wie sie entstanden sind (Zuzug, Eheschließung) und seit wie vielen Generationen sie bestehen, lassen sich durch direkte Recherchen ermitteln. Das kann über Personen- oder Familienforschung beim Bundesarchiv, im Kirchenbuch der jeweiligen Ortschaft oder ähnlichen Quellen erfolgen.
Der folgende Text behandelt historische Hintergründe rund um meinen Namen Mußlick/Muslik und die Sorben in der Niederlausitz: Der Name Mußlick (auch Muslik) wird erstmals bei der Geburt von Simon Muslik in Kolkwitz/Babow nahe Vetschau, damals Vitsche, im Jahr 1521 erwähnt. Seine Eltern waren Hedwig Muslik (geb. Neumann) und Simon Muslik (sen.). Der Sohn Simon Muslik nannte sich später „Musaeus“ und verstarb 1582 als Generalsuperintendent in Mansfeld. Detaillierte Informationen zu seinem Lebensweg lassen sich hier finden unter folgenden Webadressen:
Zum Ursprung des Namens Mußlick in Dollenchen haben die vorliegenden Nachweise bisher keine Klärung geliefert. Festgestellt ist lediglich, dass der Großvater Ernst Mußlick aus Saadow stammt (laut Aussage meines Vaters Gerhard, geb. 1910 in Dollenchen).
Über die Bedeutung von Namen informiert der Radiosender Antenne Brandenburg in der Sendung „Examen für Namen“ mit dem Namensforscher Prof. Dr. Jürgen Udolph, montags bis samstags in der Zeit von 10 bis 14 Uhr, in der die etwa fünfminütige Sendung übertragen wird. In einem früheren gesendeten Beitrag wurde mein eigener Nachname Mußlick als eindeutig sorbischen Ursprungs eingeordnet. Als Grundlage für seine Recherchen verweist Prof. Udolph in den Sendungen oft auf das bereits oben genannte Buch, das die Bedeutung und die geografische Herkunft der von Zuhörern eingereichten Namen erläutert. Zur Bestimmung des Verbreitungsgebietes und des häufigen Vorhandenseins von Namen in den Landesteilen bezieht sich Prof. Udolph auf den Inhalt von Telefon-CDs. Mein Name Mußlick ist sehr oft in der Niederlausitz vertreten. Weitere Informationen dazu lassen sich hier finden:
