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Dollenchen - früher und heute

· Neueste Beiträge
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Postkarte aus dem Jahr 1905 von Dollenchen – Die Bäckerei Gäbler und die
Kirche

Foto links oben: Die Bäckerei von Karl Gäbler später die Bäckerei von Martin Soldner. Unvergesslich der herrliche Duft, der mich beim Betreten des Ladens empfing. Eine warme
frische Semmel, gleich gegessen auf dem Heimweg, war der pure Genuss für mich. Diese Backwaren hatten die bisher beste Qualität, die ich je kennengelernt habe. Sonnabend nachmittags trugen die Frauen des Dorfes ihre eigenen und durch sie belegten Kuchenbleche zur Bäckerei, um den Kuchen backen zu lassen. Das war der beste Kuchen der Welt für
mich. Mitte der 60-er Jahre wurde die Bäckerei für immer geschlossen, weil die Familie Soldner in Klettwitz eine Bäckerei übernahm. Dort verbesserten sich die Arbeits- und auch die Wohnbedingungen der sechsköpfigen Familie sehr zum Positiven, welche
in Dollenchen nicht gegeben waren. Die Bäckerei in Klettwitz ist bereits seit vielen Jahren ebenfalls geschlossen, das Bäcker-Ehepaar verstarb. Bis heute stehe ich mit Klaus Soldner, dem ältesten Sohn in Verbindung. Er lebt in der Nähe von Kassel und betreibt mit seiner Ehefrau einen Friseursalon.

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Das Foto oben ist aus gleicher Perspektive, ebenfalls wie
auf der Postkarte rechts unten zu sehen ist, aufgenommen worden.

Die Kirche (rechts im Hintergrund) ist in der heutiger Zeit von hohen
stattlichen Eichenbäumen umgeben, wogegen die Bäume im Jahr 1905
(Postkarte oben), zur Zeit der Herausgabe der Postkarte, im Gegensatz
zu heute, noch nicht so hoch und dicht gewachsen erscheinen.

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Die selbige Ansicht/Perspektive der ehemaligen Bäckerei heutzutage, wie sie auf der alten Postkarte zu sehen ist.

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Die Dorfstraße zu früheren Zeiten in Dollenchen im unteren Teil des Dorfes.

Im Vordergrund rechts ist die Lebensmittelverkaufsstelle von Hermann Jentzsch, wo damals das Sauerkraut und die eingelegten Gurken aus Holzfässern heraus in Papiertüten abgefüllt und verkauft wurden. Wir Kinder bestaunten die vielen bunten Bonbons in den großen Glasbehältern, die aufgereiht im Regal standen und von denen wir uns manchmal vor dem Kauf einige aussuchen durften.

Für mich immer noch erstaunlich ist, wie aus diesem engen Raum heraus damals das ganze Dorf versorgt werden konnte, womit ganz offensichtlich damals alle Einwohner zufrieden waren.

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Foto oben: Der gleiche Bildausschnitt, jedoch so wie wir die Ansicht von heute kennen.

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Teil der Schulstraße in Dollenchen – rechts im Bild die Schule.

Ein Lehrer für alle Unterrichtsfächer der Klassenstufen 1 bis 4 in einem Klassenraum.
Unser Lehrer ab 1955 für 4 Jahre war Karl Krafczyk, der wunderbar den Musikunterricht mit seiner Geige begleitete.

In meinem Jahrgang waren wir 4 Schüler: Sabine Wunderlich, Kurt Klaunigk, Achim Mußlick und Elfriede Baer, die damals, bevor sie mit ihrer Familie nach Lauhammer verzog, in dem kleinen Häuschen in der Sallgaster Straße, gegenüber von Ulf Klaunigk mit ihren Eltern und zwei Brüdern wohnte .

Unseren Durst stillten wir Schüler mittels Wasser aus der Schwengelpumpe auf dem Schulhof aus unseren Händen, nachdem wir immer sehr durstig nach den immer wieder sehr bei allen Schülern beliebten Völkerballspielen waren.

Unvergesslich bleiben die abwechslungs- und erlebnisreichen Sommerferienspiele, die ich dort erleben durfte - mit Malzkaffee und Milch zu leckeren Marmeladenbrötchen für uns alle, die uns von unseres Lehrers Ehefrau Hedwig gereicht worden waren. Sie war die gute Seele für uns und auch die Kindergärtnerin im Raum nebenan. Unseren Schulgartenunterricht bekamen wir auch von Frau Krafczyk.

Unser Lehrer organisierte erlebnisreiche Kinderfeste auf dem Dorfplatz: Staffelläufe,
Bändertanze und andere Spiele gehörten dazu. In der Vorweihnachtszeit studierte er mit uns z.B. das Theaterstück „Die Schneekönigin“ ein, welches wir auf der Bühne im Saal bei
Stuckatz zur Aufführung brachten. Dort erlebten wir auch Kinderfaschingsveranstaltungen.

Busfahrten zum LeipzigerZoo, zum Wörlitzer Park, in den Spreewald, nach Oybin u.a. Fahrten organisierte Herr Krafczyk für die erwachsenen Interessenten des Dorfes und deren
Kinder und schaffte so auch an einigen Wochenenden eine Abwechslung von der arbeitsreichen Woche in der Landwirtschaft der damaligen Einzelbauern.

Herr Krafczyk war wohl, laut den Erzählungen der damals Erwachsenen im Dorf, angeblich im 2. Weltkrieg an Bord eines Kampfflugzeuges der deutschen Luftwaffe als Bestandteil dessen Personals geflogen. Nach dem Abschuß und Absturz des Flugzeuges und seiner dadurch erlittenen Verletzungen hat er im Lazarett seine spätere Ehefrau Hedwig, die dort ihn selbst und andere Verwundete als Krankenschwester versorgte, kennen und lieben
gelernt und sie blieben für den Rest ihres Lebens beisammen. Sie stammte aus Bergheide. Ihre Kinder heißen Sybille und Bruno. Als Neulehrer begann Herr Karl Krafczyk in
Dollenchen seine Lehrerkarriere und löste hier damals die durch den Nationalsozialismus belasteten Lehrer mit ab. Er war gebürtiger Rheinländer aus Köln. Sein Kölner Dialekt klang für uns wie Musik in den Ohren. Das rheinische Gemüt und seine damit verbundene Frohnatur unterschied sich sehr von dem der Niederlausitz und von dem in Dollenchen allemal. Trotzdem blieb er bei uns und fand hier seine Anerkennung und Achtung bei den Menschen und besonders bei seinen Schülern. Er ist einer von den Lehrern, an die ich mich gern erinnere.

Ein Erlebnis meinerseits darf in der Aufzählung nicht fehlen, welches den Einfallsreichtum
unseres Lehrers zeigte, ohne dabei den Namen des Beteiligten zunennen:

In einer Pause stahl ein Schüler aus dem Turnbeutel eines anderen Schülers einen Turnschuh und warf ihn in das tiefe Plumpsklo, welches sich damals neben dem Schulgarten befand. Er wurde dabei beobachtet und schob jedoch die Schuld auf mich. In der darauffolgenden Unterrichtspause kam Frau Krafczyk zu uns und bestellte den Täter und mich in das leere Klassenzimmer. Wir stritten dort allein und ohne Zeugen über den Tathergang und der Täter offenbarte seine frevelhafteTat mir gegenüber. Plötzlich stieß Herr Krafczyk knallartig die Schranktür von innen heraus auf und stieg - zu unserem beider Schrecken und Erstaunen - aus dem bis dahin geschlossenen Schrank des Klassenzimmers heraus, von wo aus er unser Gespräch versteckt bisher verfolgt hatte und somit nun wusste, wer der wahre Täter war. Die Abreibung des Lehrers gegenüber dem Täter erfolgte auf dem Fuße, sofort und auf der Stelle. Verständlicherweise war ich froh, dass ich aus der Nummer somit heraus war.

Erwähnenswert ist, dass es zu meiner Grundschulzeit damals in Dollenchen nur drei PKWs gab, insoweit ich mich richtig erinnere: Bei Familie Brähmig, Familie Püschel (Taxibetrieb) und bei Familie Kölpin. Frau Alma Kölpin war die Gemeindeschwester im Ort – heimlich genannt die „Pflaster-Alma“, die überall sehr beliebt war. Sie fuhr mit angezogener blauweißer Krankenschwesterntracht und mit dem Schwesternhäubchen auf dem Kopf mit ihrem Moped SR2 durch das Dorf zu den Patienten. Das war immer ein sehr imposantes Bild. In dem DDR-Film "Schwester Agnes" konnte man sehen, wie das in etwa aussah, nur war Pflaster-Alma hinsichtlich ihrer Körpermaße in der Breite und Höhe in etwa das Doppelte, als es im Film die Schauspielerin Agnes Kraus als Moped-Schwester darbot. Ihr Sohn Lothar Kölpin hatte von „bösen“ Dollenchener Jungs den Spitznamen „Doktor Schleicher“ bekommen. Diese Familiennamen sind in Dollenchen in heutiger Zeit nicht mehr präsent. Alle PKWs der genannten Familien waren zu dieser Zeit noch aus der Vorkriegsproduktion und verströmten einen würzigen Benzingeruch, der damals für mich sehr selten war und den ich sehr mochte.

Telefone gab es damals zu dieser Zeit ebenfalls nur drei im ganzen Dorf: Bei Fischer, Hans (das Haus neben der ehemaligen Fleischerei Domka), im Gemeindebüro
(welches öfter mal seine Standorte wechselte – ich erinnere mich noch an vier) sowie im Postamt in der Wormlager Straße, bei Frau Guttke Sie war die Oma von Sylvia Paulisch, uns bekannt durch das Parkhotel in Sallgast. Sylvia verlebte meist ihre Sommerferien bei ihrer Oma und kam aus Finsterwalde nach Dollenchen.

Meine Frage: Wer hat heute kein Auto bzw. kein Telefon?

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Die frühere Grundschule in heutiger Ansicht aus gleicher Perspektive.
Die Entwicklung des Baumes vor der Schule im Laufe der Zeitspanne
zwischen den Fotoaufnahmen ist beachtlich.

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Ohne Gummistiefel trockenen Fußes in das Gasthaus? Damals war das ein abenteuerliches Vorhaben. Hier trafen sich die Bauern oft abends auf ein schnelles Bier, bevor oder nachdem sie nach getaner Arbeit auf ihren Feldern oder in den Ställen ihre Milchkannen von der Milchrampe holten.

Nachdem das Milchfahrzeug der Molkerei in Massen die Milchkannen der Landwirte frühmorgens von den beiden Dorf-Milchrampen abgeholt und allabendlich zurück brachte und diese darauf abgestellt waren, kamen die Bäuerinnen und Bauern, um ihre
Gefäße abzuholen, welche dann mit Magermilch befüllt waren, die dem Schweinefutter beigemischt wurde. Die dort neben der Rampe angebrachten Informationstafeln machten diesen Ort allabendlich zu einem beliebten Treffpunkt für den Austausch der neuesten Nachrichten. Auch für die Jugendlichen waren dort die für sie wichtigsten Informationen zu lesen, die jeweils freitags dort aushingen: Wo und in welcher Gaststätte in den umliegenden Dörfern am jeweiligen Wochenende eine Tanzveranstaltung stattfinden wird, die mit dem Fahrrad erreichbar war. Auch im Anzeigenteil der Zeitung "Die Lausitzer Rundschau" machten die Veranstalter Werbung für ihren Tanzboden. An jedem Wochenende war in der Umgebung von Dollenchen immer irgendwo Tanz, manchmal sogar in mehreren Orten. Dann sprach man sich untereinander ab, wohin die Fahrt gehen soll.

Zur Erinnerung: Damals interessierte sich noch niemand dafür, wie hoch der Alkoholpegel im Blut sein durfte, wenn man vom Tanz heim fuhr mit dem Fahrrad. Selbst wollte man jedoch gesund und heil nach Hause kommen. Licht am Fahrrad konnte sein, aber musste
nicht. Zumindest war es auf den Dörfern so.

Unser damals zuständiger Polizist, Herr Wickedal aus Poley war ein sehr verträglicher und den Menschen zugetaner Zeitgenosse, den alle sehr wegen seiner freundlichen und
ruhigen Art mochten. Polizeihelfer war damals Hans Fischer. Hans reparierte damals auch die defekten Rundfunkempfänger des Dorfes kostengünstig und sehr schnell. Defekte Ersatzteile, wie Röhren, Widerstände etc. brachte er selbst aus Finsterwalde mit, denn er arbeitete dort. Er war ebenfalls ein zugänglicher Bürger, stammte aus Sayda im Erzgebirge, was ihn in Dollenchen zum mundart-sprachlichen Exoten machte. Als dann der Polizist Matteck aus Poley sein Amt als Nachfolger von Herrn Wickedal antrat, pfiff der Wind dann aus einer anderen Richtung und alle machten vorsichtshalber einen großen Bogen um ihn, wenn man ihn sah.

Ich wurde leider gesehen, als ich ohne den Berechtigungsschein dafür zu besitzen mit einem Moped "schwarz" in unserer Schulstraße fuhr. Wer mich sah und es dann dem Polizisten meldete vermutete ich zwar, aber wurde mir nie bekannt. Einige Wochen später bei der Anmeldung zur Erlangung des Berechtigungsscheines für Mopeds wurde ich vom Polizist Mattek darauf angesprochen, ermahnt und ich konnte wieder unangemeldet zur Prüfung den Heimweg antreten. Strafe muss sein. Meine Fahrerlaubnis für Motorräder, selbstfahrende Landmaschinen und Traktoren (damals 1 und 3) legte ich dann erfolgreich einige Monate später kostenlos gleich bei Beginn meiner Lehre in meinem Lehrbetrieb ab. Während meiner Armeezeit erlangte ich dann noch zusätzlich den Führerschein für LKW ebenfalls kostenlos bei der NVA (damals Stufe 5).

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Der Dorfplatz in Dollenchen, so wie wir ihn heute kennen, mit der GaststätteStuckatz, die sich seit 1912 im Familienbesitz befindet und somit seit 114 Jahren von den Generationen erfolgreich bewirtschaftet wird.

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Historische Ansicht: Das Gebäude worin sich das Sägegatter und die Getreidemühle von Fritz Kirschke bzw. seinem Schwiegersohn mit dem Familiennamen Jonas befanden.

Meine Aufgabe als kräftiger Junge war es u.a., stets den mit Getreide gefüllten schweren Sack zur Mühle zu bringen und somit das Schrot für unsere Tiere zurück nach Hause zu transportieren. Fasziniert beobachtete ich stets den Aufzug in der Mühle, in dem Martin Laube, der dort beschäftigt war, wie von unsichtbarer Hand gelenkt, zwischen den Stockwerken auf und ab fuhr, nach dem er an einem Seil gezogen hatte. Das zu sehen war für mich zu jener Zeit etwas Außergewöhnliches! Er, der Vater von Sigrid und Karin, verstand es meisterhaft, unsere Schlittschuhe kostenlos mit einem optimalen Hohlschliff zu versehen, so dass wir im Winter auf dem Dorfteich und dem Luschk gut Eishockey spielen konnten.

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So sieht es heute angleicher Stelle aus (wie oben). Aus der Mühle wurde ein schickes
Museum und die Feuerwehr bekam ein neues großes Gebäude (rechts im
Bild) zusätzlich zum kleinen Gerätehaus am Dorfplatz.

Ich hätte noch Weiteres zu erzählen von den Erlebnissen aus meiner
Kindheit und Jugend und auch von den Geschehnissen, die meine Eltern
vor und nach dem schrecklichen Krieg erlebten, auch darüber, als die
Sowjetarmee in Dollenchen einmarschierte.

Mit einigen meiner Freunde aus Dollenchen stehe ich bis heute noch in ständigem persönlichen und telefonischen Kontakt, aber auch per Email. Bei Gesprächen mit ihnen wird in mir dann bereits Vergessenes wieder wach und ich bemerke, dass das Alter
seinen Tribut zollt und dann doch einige gemeinsame Erinnerungen wachgerüttelt werden.


Immer wieder wird jedoch gemeinsam festgestellt, dass unsere Zeit in Dollenchen
eine der schönsten in unserem Leben war, denn wir waren jung!

-AchimMußlick-

Fortsetzung folgt!

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Dollenchen ist immer einen Besuch wert!

Im Jahr 2005 war der Landschleicher des RBB in Dollenchen zu Besuch:

https://www.rbb-online.de/brandenburgaktuell/landschleicher/beitraege/elbe-elster/aktuell_20050519_dollenchen_ee.html#top




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